Jugenheim in Rheinhessen Weinblatt

Leben zwischen Reben

Jugenheim in Rheinhessen

Moderne Gemeinde mit dörflichem Charme


Jugenheim feiert 2017 sein 1250 jähriges Bestehen

Moderne Gemeinde mit historischer Substanz und dörflichem Charme

Ein Weindorf in Rheinhessen

Eingebettet zwischen Rebenhügel und einem Wäldchen liegt in einem Seitental der Selz das Weindorf Jugenheim. Wer sich Jugenheim nähert, erkennt schon von weitem die stattliche Martinskirche, die die Gemeinde überragt. Unter Einbeziehung der alten Bausubstanz aus dem Mittelalter, baute der nassauisch-saarbrückische Generalbaudirektor Friedrich Joachim Stengel in den Jahren 1769 bis 1775 dort eine barocke evangelischen Kirche.

Jugenheim ist ein typisch rheinhessisches Straßendorf. Bereits bei einem ersten Rundgang wird deutlich, dass sich die Gemeinde in den zurückliegenden Jahren erfolgreich um den Erhalt seiner alten Bausubstanz bemüht hat. Das belegen neben historischen Hausfassaden entlang der Dorfstraßen auch sachkundig herausgearbeitete Fachwerkstrukturen und liebevoll gestaltete Plätze des Ortes. Der alte Ortskern wird im Südwesten harmonisch von Neubaugebieten umrahmt.

Jugenheim ist mit seinen ca. 1600 Einwohner Teil der Verbandsgemeinde Nieder-Olm im Landkreis Mainz-Bingen. Zu den Persönlichkeiten, die in Jugenheim geboren wurden, zählen neben dem in Wiesbaden stadtbekannten Räuberhauptmann Heinrich Anton Leichtweiß (1723 bis 1793), dem Mitbegründer der ersten Schellackfabrik im Jahre 1836 in Mainz, Carl Ludwig Marx, der Kinderbuchautorin Dr. Paula Millotat (1912 bis 1995) aus der seit 1792 in Jugenheim ansässigen Familie Lucius, sowie Landrat Claus Schick, der seit über 25 Jahren die Geschicke des Landkreise Mainz- Bingen lenkt.

Historische Linien und Zeugnisse

Funde belegen, dass die Gegend um Jugenheim seit der jüngsten Steinzeit besiedelt ist. Die Endung des Ortsnamens auf „heim“ lässt darauf schließen, dass die Ortschaft eine Gründung der Franken aus dem 5. und 6. Jahrhundert ist.

2017 feiert Jugenheim sein 1250jähriges Bestehen. Im „Lorcher Codex“ von 767 wird es als „Gaginheim“ bezeichnet. Einige Forscher bestreiten, dass es sich dabei um das heutige Jugenheim handele. Die Ortsbezeichnung veränderte sich im 9.
Jahrhundert in „Goganheim“, zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert in „Guginheim“. Daraus entwickelte sich dann Jugenheim.

Einige historische Meilensteine sollen die wechselvolle Geschichte von Jugenheim bis heute skizzieren:

  • 966 schenkte Kaiser „Otto der Große“ der „Kirche des Heiligen Kreuzes“ in Magdeburg Güter in Jugenheim.
  • 1112 fiel Jugenheim an den Mainzer Erzbischof „Adalbert I“, von Saarbrücken.
  • Bis 1393 war Jugenheim im Besitz der „Raugrafen von Altenbaumbach“ und des „Adelsgeschlechts von Sponheim-Dannenfels“.
  • 1393 fiel Jugenheim durch Heirat an die Dynastie Nassau, wurde Gerichtssitz sowie Mittelpunkt eines Amtes, zu dem Tiefenthal, Teile Wöllsteins, Gumbsheim und Pleitersheim gehörten. Es war Eigentum verschiedener Linien des Hauses Nassau-Saarbrücken bis zur Besetzung Saarbrückens 1794 durch französische Revolutionstruppen.
  • 1795 floh der Erbprinz von Nassau-Saarbrücken, Fürst Heinrich, nach Jugenheim, seiner letzten ihm verbliebenen Residenz.
  • Nach der Abtretung der deutschen Gebiete links des Rheines an Frankreich, endgültig im Vertrag von Lunéville 1801, wurde Jugenheim von 1798 bis 1814 eine Ortschaft des Kantons Oberingelheim im französischen Département Donnersberg (Mont Tonnere).
  • 1815 nach dem Sieg über Kaiser Napoleon Bonaparte kam Jugenheim zum Großherzogtum Hessen Darmstadt als Provinz Rheinhessen.

Der Löwe von Nassau-Saarbrücken ist bis heute Bestandteil des Ortswappens geblieben.

Bauhistorisch war für Jugenheim das 18. Jahrhundert prägend, was bis heute erkennbar ist. Damals entstanden folgende Bauwerke:

Die bereits erwähnte Martinskirche, ein typisch protestantischer Saalbau, charakterisiert durch den im Mittelpunkt stehenden Kanzelaltar, ist ein barockes Gesamtkunstwerk, welches historische Teile aus ihrer mittelalterlichen Vorgängerkirche in sich birgt. Dazu gehören Turm und die dort verorteten gotischen Wandmalereien aus dem Jahre 1420, die aufwendig restauriert wurden.1804 kaufte die Gemeinde Jugenheim die von den Gebrüdern Wegmann 1762 erbaute Orgel des säkularisierten (aufgelösten) Welschnonnenklosters in Mainz. Diese wurde 1991 renoviert und in ihren Ursprungszustand zurückversetzt.

Der Amtshof, von dem das ursprüngliche Wohnhaus des Amtmanns noch existiert, entstand ebenfalls nach Plänen des Generalbaudirektors Stengel. In ihm befand sich ab 1832 bis zu seinem Umzug nach Echzell bei Friedberg im Jahre 1847 ein Knabeninstitut, die heutige Internatsschule Institut Lucius. Auch das Pfarrhaus und das Haus der Familie Diehl in der Hauptstraße entstanden zu dieser Zeit.

Im 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerungszahl Jugenheims von 717 auf 1.100 an. Die früheren, aus Stein gemauerten Pforten: Oberpforte, Unterpforte, Neupforte und Angerpforte wurden abgerissen und die Jugenheim umgebenden Schutzgräben und Hindernisse aufgegeben. Die Grenzen der damaligen Ortschaft wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg überschritten, als die ersten Neubaugebiete entstanden.

1852 wurde ein sogenanntes „Rettungshaus für sittlich verwahrloste Knaben“ in einem noch heute erhaltenen und renovierten Haus am Edelsberg eingerichtet, aus dem vor über 100 Jahren das heutige Josef–Helfrich-Haus der Nieder-Ramstädter Diakonie in Jugenheim entstand. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Jugenheim an die rheinhessische Wasserversorgung angeschlossen. Der Anschluss an die Kanalisation und das Stromnetz folgten in den 1920er Jahren.

Zur Erinnerung an Jugenheimer Bürger, die am Krieg gegen Frankreich von 1870/71 teilgenommen hatten, wurde gegenüber dem alten Marktplatz ein Denkmal errichtet, dem eine gewappnete Statue der Germania sein charakteristisches, kriegerisches Aussehen verleiht. Das Denkmal wurde 2016 restauriert. Tafeln mit den Namen von gefallenen und vermissten Jugenheimer des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurden beiderseits des Altars in der Martinskirche angebracht. Eine Gedenkstätte für die Opfer beider Weltkriege sowie die während des Naziregimes ermordeten und vertriebenen jüdische Bürger Jugenheims, wurde auf einem Platz hinter der Kirche geschaffen.

Zusätzlich zu dem alten Friedhof im Bereich der Martinskirche, richtete die Gemeinde einen weiteren Friedhof an der Straße nach Stadecken-Elsheim ein. Westlich von Jugenheim liegt noch ein alter jüdischer Friedhof, als bedeutendes Zeugnis für die jüdischen Gemeindemitglieder aus Jugenheim und umliegenden Gemeinden, die dort ihre letzte Ruhestätte bis zum Beginn der Naziherrschaft fanden.

Von 1904 bis 1954 bestand eine eingleisige Bahnstrecke von Jugenheim nach Frei-Weinheim, welche die Orte des Selztals verband. Sie diente dem Personen- und Güterverkehr, im Herbst vornehmlich dem Vertrieb von Zuckerrüben. Daher bekam die Selztalbahn den Spitznamen „Zuckerlottche“. 1954 wurde sie aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Der Lokomotivschuppen, die Wohnung von Betriebsangehörigen der Selztalbahn sowie das im Heimatstil erbaute Bahnhofsgebäude sind bis heute erhalten geblieben. Die frühere Trasse der Selztalbahn wurde zu einem Fahrradweg umgestaltet.

1950 entschied sich Jugenheim als erste Gemeinde in Rheinland- Pfalz, ein neues, für drei Klassen ausgelegtes Schulgebäude zu errichten. Nachdem die alte Volksschule und spätere Grundschule Jugenheims aufgelöst worden war, besuchten
die Grundschulkinder die nahegelegene Schule in Stadecken-Elsheim und das frühere Schulgebäude wurde zum Rathaus. Die Vereine nutzen es vielfältig. Dort wurde neben einem Jugendtreff auch ein Kindergarten eingerichtet. Die Freiwillige
Feuerwehr des Ortes hat dort ihren Stützpunkt. Der große Rathaushof ist ein beliebter Ort für viele Feste der Jugenheimer Vereine geworden.

Jugenheim heute

Die Gemeinde hat sich in den zurückliegenden Jahren in vielen Bereichen deutlich weiterentwickelt. Ihr dörflicher Charakter und ein lebendiges Vereinsleben zeichnen sie aus. Eine moderne Sportanlage am Wiesenweg mit Sportplatz, Tennisplätzen, Tennishalle sowie Reitplatz mit dazugehöriger Halle laden Bürger und Gäste zu einer breiten Palette sportlicher Aktivitäten ein.

2013 wurde ergänzend zum dem naturnahen Spielplatz am Saubach auf 2 000 Quadratmetern auch ein inklusives Spielgelände am Franz-Josef-Helferich Haus geschaffen, das sich großer Beliebtheit erfreut. Die Angebote der Jugenheimer
Gastronomie sind reichhaltig. Den Bürgern stehen ein CAP-Lebensmittelmarkt und eine Bäckerei für Einkäufe zur Verfügung.

Es hat sich ausgezahlt, dass Jugenheim bereits in den 1980er Jahren begonnen hat, die baulichen Veränderungen im alten Ortskern mit einer Dorf- und Erhaltungs-satzung zu begleiten. Geschmackvoll sanierte Bauernhäuser und neu gestaltete
Dorfplätze ergänzen die historische Bausubstanz von Martinskirche, Wohnhaus des früheren Amtmannes und das rechtzeitig zum Jubiläumsjahr renovierte Kriegerdenkmal von 1870/71 gegenüber dem alten Marktplatz.

Jugenheim ist insgesamt eine Gemeinde, der es gelungen ist, Landwirtschaft, Gewerbe, Wohnen und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten in harmonischem Einklang zu halten und ihn auszugestalten. Die Ansiedlung von Gewerbe und Handwerk
waren in den vergangenen Jahren erfolgreich. Neben den traditionellen Handwerksbetrieben hat sich eine Vielzahl anderer Branchen in Jugenheim angesiedelt. Das hat Arbeitsplätze geschaffen und ihre erfolgreiche Arbeit belegt ein
deutlich angestiegener Gewerbesteueranteil.

In den letzten Jahren ist Jugenheim gerade auch durch die Werke und Ausstellungen der in Jugenheim beheimateten Künstler bekannt geworden. Die Figuren von Rosi Röhm, Gemälde von Susanne Ritter oder die Gedichte von Wolfhard Klein sind zu einem weiteren Markenzeichen von Jugenheim geworden.

Naturschutz hat in Jugenheim hohen Stellenwert. Der NABU und die Jagdgemeinschaft engagieren sich hier in besonderer Weise. Das wird bei einem Rundgang durch die Gemeinde und bei einer Wanderung auf dem von den Winzern
angelegten Terroir-Weg mit seinen erklärenden Hinweisschildern deutlich. Man kann sich an der ausgeprägten Flora und Fauna der Umgebung Jugenheims erfreuen oder bei guter Fernsicht den Blick auf das Rheintal, zum Donnersberg und Odenwald genießen.

Jugenheim ist für seine Weine bekannt, vor allem aus der Lage „Goldberg“. Unsere Winzer laden über das Jahr mit Hoffesten und Weinproben zum Genießen ihrer Weine ein. Höhepunkt ist die anlässlich der Kerb in der 2. Septemberwoche
angebotene Weinwanderung rund um den Goldberg. Dabei präsentieren die heimischen Weingüter ihre Schätze.

Ich lade Sie ein, das alte und neue Jugenheim, sein lebendiges Vereinsleben und seine Weine kennenzulernen. Verleben Sie in meiner Gemeinde beschwingte und anregende Stunden. Hierzu bietet sich das Jubiläumsjahr, während seiner
Festwoche vom 18. bis 21. Mai 2017 an. Feiern Sie mit uns in geselliger Runde, genießen Sie Jugenheimer Gastfreundschaft und entfliehen Sie dem Alltag bei einem guten Glas Wein. Das Programm des Festjahres finden Sie auf der Homepage der Ortsgemeinde unter www.jugenheim-rheinhessen.de.

Ihr

Herbert Petri, Ortsbürgermeister

Vielen Dank an Christian Millotat, Generalmajor a. D. für die konstruktive Begleitung